Unterricht mit Patienten

Im Modellstudiengang steht das patientenbezogene Lernen und Handeln im Mittelpunkt des Curriculums. Die Studierenden lernen im Sinne des situierten Lernens (Lave & Wenger 1991) vom ersten Studientag an im Kontakt mit Patientinnen und Patienten Krankheiten kennen, geordnet nach Organsystemen, übergeordneten Entstehungsmechanismen und Lebensabschnitten, in denen sie auftreten.

Untersuchungskurs

Sie absolvieren im 1. und 2. Semester den Allgemeinen Untersuchungskurs. Die Studierenden erlernen und trainieren dabei, bei erwachsenen, stabilen Patienten eine allgemeine Anamnese zu erheben und körperliche Untersuchung durchzuführen. Sie erwerben die Kompetenz, die entsprechenden Untersuchungen (Blutdruck, Pulsstatus, Atemfrequenz u.a.) am Patienten durchzuführen und dabei “Normal”/ ”Gesund” zu erkennen und zu bestätigen.

Im Vertiefenden Untersuchungskurs (3.-4. Semester) trainieren die Studierenden die modulspezifischen zusätzlichen Untersuchungstechniken zur Komplettierung von Anamnese und körperlicher Untersuchung. Auch hier sollen sie “Normal”/ ”Gesund” erkennen und abgrenzen. Das Spektrum reicht hier von der Untersuchung der Haut bis hin zur neurologischen Untersuchung. Zusätzlich wird in jeder Modulwoche ein Patient mit einer curricular passenden, prototypischen Erkrankung in der Fallvorlesung vorgestellt. Typische Beispiele aus den Modulen des 3. und 4. Semesters sind Patient mit Psoriasis, Lumboischialgie, Herzinfarkt, Refluxkrankeit, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, chronischer Niereninsuffizienz, Demenz oder Akustikusneurinom. Hier lernen sie prototypische Präsentationen der Krankheitsbilder in Anamnese und klinischer Untersuchung zu erkennen und zu bestätigen.

Unterricht am Krankenbett (UaK)

In den Semestern 5 bis 10 findet der Unterricht mit Patienten in Form von supervidierten Patientenuntersuchungen mit anschließendem patientennahen Unterricht als klassisches „bed-side teaching“ statt. Die Auswahl der Patienten und Patientinnen orientiert sich an den Modul- und insbesondere an den jeweiligen Wochenthemen (z.B. „Patient/-in mit akuten abdominellen Beschwerden“). In dem ersten Teil erheben die Studierenden zunächst in 2er Gruppen an je einer Patientin, einem Patienten mit >Erkrankung angepasst an die Modulwoche< selbstständig Anamnese und klinische Befunde (supervidierte Patientenuntersuchung = SPU). Im Anschluss daran kommen die Studierenden als 4er-Gruppe mit der betreuenden Ärztin, dem betreuenden Arzt bei den beiden voruntersuchten Patienten zusammen (patientennaher Unterricht = PNU) und demonstrieren die jeweils bedeutsamen Befunde am Patienten. Bezogen auf die konkrete Patientengeschichte sollen dabei differentialdiagnostische Hypothesen und eine Arbeitsdiagnose entwickelt, die Ergebnisse der weiterführenden Diagnostik (Labor, Bildgebung, etc.) sowie die grundlegenden Therapieoptionen gemeinsam besprochen werden.

Das patientenbezogene Curriculum des Modellstudiengangs Medizin wird fortlaufend durch abgestimmte Simulationen ergänzt. In diesen können besondere Problemsituationen trainiert werden, für die ein Ausbildungsbeginn mit realen Patienten nicht geeignet ist. Das Spektrum reicht von der erstmaligen Durchführung einer Prozedur wie z.B. einer venösen Blutentnahme bis hin zum Ablauf einer kardiopulmonalen Wiederbelebung. Im Sinne eines „deliberate practice“ (McGaghie 2011) sind die Simulationsformate eng mit Modul- und Wochen-Outcomes verbunden und geben die Möglichkeit zum wiederholten Üben mit zeitnahem Feedback. 

Unsere Aufgaben und Kompetenzen:

  • Entwicklung von outcome-orientiertem Konzepten zum Unterricht mit Patienten
  • Integration von Modulinhalten mit den jeweiligen Wochenoutcomes des Unterrichts mit Patienten
  • Inhaltliche Weiterentwicklung

Unsere Angebote für Dozierende und andere Fakultäten:

  • Unser Team stellt seine Planungs-Expertise und sein Curriculums-Know-how für andere Fakultäten als Beratungsangebot zur Verfügung
  • Dozierenden-Schulungen

Kontakt

Antje Degel, Dr. med.
Curriculumsentwicklung
t: +49 30 450 576 219
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Anne-Kathrin Schremmer
Assistenz der Leitung
t: +49 30 450 576 207
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